Im Gespräch mit Susanne Meier

10.07.2026

Firma: Kuratle Group AG

Firmeneintritt: 01. 10. 2025 

Funktion: Berufsbildungsverantwortliche 
Aus-/Weiterbildungen: Gelernte Kleinkinderzieherin (heute Fachfrau Betreuung), Berufsbildnerkurs, CAS-Leadership, Expertenkurs, Ausbilderin mit eidgenössischem Fachausweis, DAS Bildungsmanagement FHNW 

Wohnsitz: Würenlingen (AG)

Was genau umfasst deine Rolle als Berufsbildungsverantwortliche? Wie viele Lernende betreust du aktuell?
Ich bin als übergeordnete Berufsbildungsverantwortliche tätig. Das bedeutet, dass ich die Berufsbildung in den verschiedenen Berufen koordiniere, begleite und sicherstelle. Dies von der Rekrutierung der Lernenden bis zum Lehrabschluss. Dabei arbeite ich eng mit Schulen, Ämtern sowie den Eltern der Lernenden zusammen. 

Grundsätzlich werden alle Lernenden von Berufs- oder Praxisbildner:innen betreut. Im KV-Bereich übernehme ich diese Rolle selbst. Ein zentraler Teil meiner Aufgabe ist es, die Lernenden zu unterstützen, aber auch die Berufs- und Praxisbildner:innen zu begleiten. Zusätzlich initiiere und begleite ich Projekte rund um das Thema Berufsbildung. Aktuell betreue ich 25 Lernende, ab Sommer werden es voraussichtlich 31 sein.

Was ist das Wichtigste, das du im Umgang mit Lernenden gelernt hast? Was würdest du Berufs- und Praxisbildner:innen mitgeben? 
Das Wichtigste ist eine stabile Vertrauensbasis. Lernende brauchen Menschen, die an sie glauben, ihnen Vertrauen schenken und ihnen Rückhalt im Unternehmen geben. Genauso wichtig sind für mich klare Rahmenbedingungen, das Aufzeigen von Grenzen und dass die Lernenden gezielt auf die Arbeitswelt vorbereitet werden. 

Wenn die Beziehung zu den Lernenden positiv ist, gelingt vieles einfacher. Mein Tipp an Berufs- und Praxisbildner:innen: Sucht aktiv den Austausch miteinander, sprecht offen über Erwartungen und stimmt euch regelmässig ab.

Wie stellst du sicher, dass Lernende optimal begleitet werden? 
Ich pflege bewusst den Kontakt zu den Berufs- und Praxisbildner:innen sowie zu den Lernenden. Wenn Unterstützung nötig ist, greife ich gezielt und individuell ein. 

Beispielsweise bei den Vorbereitungen auf die Abschlussprüfungen schaue ich mit den Berufsbildner:innen, was die Lernenden brauchen: So unterstütze ich aktuell zwei Lernende in den ­Prüfungsvorbereitungen für das Fach Allgemeinbildung. Für die Lernenden vom KV haben wir 
eine Übungssequenz vorbereitet, damit sie trainieren konnten, wie sie ihr Wissen in Gesprächssituationen einbauen können. Andere Lernende wurden gezielt bei Kundengesprächen beobachtet, so dass die Gespräche anschliessend gemeinsam ausgewertet werden konnten. Parallel 
dazu arbeite ich kontinuierlich an Projekten, um die Berufsbildung im Unternehmen weiterzuentwickeln.

Kannst du ein Beispiel für solche Projekte nennen?
Aktuell arbeite ich daran, die Lernenden stärker mit unserem Sortiment vertraut zu machen. Dafür werden für das neue Schuljahr wieder für alle Lernenden Einsätze im Musterlager geplant. 
Zudem optimiere ich derzeit den Abteilungswechsel für KV-Lernende, damit dieser noch strukturierter und sinnvoller gestaltet ist. Dies mit dem Ziel, dass die Lernenden erstens einen vertiefteren Einblick erhalten und zweitens im Tagesgeschäft (begleitet) Verantwortung tragen können sollen.

Du bist seit deiner Kindheit Fasnächtlerin und heute für die Malerarbeiten im Wagenbau zuständig. Was war dein Lieblingsprojekt? 
Ich bin von klein auf in der Würenlinger Fasnacht aktiv und in unserer Wagenbaugruppe Teil des Organisationskomitees für den Bereich Malen. Wir entwickeln das Farbkonzept und das Design für unseren Wagen und organisieren die Materialien. Danach helfen wir auch beim Aufbau. Jedes Projekt hat seinen eigenen Reiz, aber besonders gefallen mir grosse, kompakte Formen – zum Beispiel eine Dampflokomotive, die wir einmal umgesetzt haben.

Du engagierst dich seit vielen Jahren bei Jungwacht Blauring. Was ist dir bei dieser Tätigkeit besonders in Erinnerung geblieben? 
Ich bin seit meiner Kindheit dabei – zuerst als Teilnehmerin, später als Leiterin und danach in der Regionalleitung. In der Region Zurzach habe ich zudem Jugend- und Sport-Kurse geleitet. Seit rund 15 Jahren bin ich auch in den Sommerlagern in der Küche tätig. Es gibt unzählige schöne Erinnerungen aus allen Phasen. Besonders prägend waren aber Grenzerfahrungen – zum Beispiel Sommerstürme oder heftige Gewitter. Solche Erlebnisse bleiben. Und vor allem: Es entstehen Freundschaften fürs Leben.

Du bist auch in einer Weinbaugenossenschaft tätig – erzähl uns mehr darüber.
Unsere Familie besitzt eigene Reben, die aktuell von der dritten und vierten Generation bewirtschaftet werden – ich selbst gehöre zur vierten Generation. 
Es ist ein reines Familienhobby, wir erzielen keinen Gewinn daraus. Die Trauben werden in die Weinbaugenossenschaft Würenlingen eingebracht. Es ist eine schöne Möglichkeit, gemeinsam etwas zu schaffen und das Ergebnis später auch selbst zu geniessen.

Du hast ursprünglich als Kleinkindererzieherin gearbeitet und bist später in die Berufsbildung gewechselt. Wie kam es dazu? 
Vor etwa zehn Jahren habe ich mich intensiv mit meiner beruflichen Zukunft auseinandergesetzt und mich gefragt, was mir wirklich Freude macht. Dabei habe ich gemerkt, dass mir besonders die Arbeit mit Lernenden zusagt.

Durch eine Laufbahnberatung wurde mir klar, dass meine Leidenschaft in der Berufsbildung liegt. Deshalb habe ich mich gezielt in diesem Bereich weitergebildet. Ich hatte dann die Möglichkeit, die Berufsbildungsverantwortung bei meinem damaligen Arbeitgeber aufzubauen – parallel zur Betriebsleitung und zur Führung der Lernenden. Da ich in meiner damaligen Stelle nur zu 50 % in der Lernendenbetreuung tätig sein konnte, war die Position bei der Kuratle Group als Berufsbildungsverantwortliche genau das, was ich gesucht habe.

Wie ist es für dich, mit so vielen unterschiedlichen Berufen und Lernenden aus verschiedenen Gesellschaften zu arbeiten?
Das ist unglaublich spannend und erweitert den eigenen Horizont enorm. Man setzt sich mit unterschiedlichen Berufsbildern auseinander und lernt ständig Neues dazu. Genau diese Vielfalt macht die Arbeit für mich so bereichernd. Auch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Vorgesetzten, Berufs- und Praxisbildner:innen bringt immer wieder neue Perspektiven und eine neue Dynamik.